Lokalstrom als Chance
08. August 2017

Lokalstrom als Chance

von: Martin Sinzig

Der Umbau der Energiewirtschaft soll nicht nur von oben nach unten erfolgen, sondern auch dezentrale Lösungen in Betracht ziehen. In Deutschland laufe die Energiewende aber Gefahr, auf einen planwirtschaftlichen Irrweg zu geraten, erklärt Constantin H. Alsheimer, Chef der Mainova AG, die in Frankfurt am Main 680'000 Menschen mit Strom, 1,2 Mio. Menschen mit Erdgas und 773'000 Menschen mit Wasser und Wärme versorgt.

Problematisch an der Doktrin der deutschen Bundesregierung sei, dass die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität offenbar durch den Staat auf einen bestimmten Umsetzungspfad hin festgelegt werden soll. Der Staat maße sich an, für einen Zeitraum von gut 30 Jahren im Voraus den Weg für die effizienteste technologische Umsetzung der Energiewende zu kennen, kritisiert Alsheimer in einem Interview mit dem Internetportal «stadt + werk».

Mit der Doktrin der stromgeführten Energiewende sei nämlich noch eine weitere gravierende Implikation verbunden, die die Stadtwerke schon heute zu spüren bekämen – und zwar eine weitgehende Absage an das Prinzip der Dezentralität, so Alsheimer. Damit drohten den kommunalen Energieversorgern erhebliche wirtschaftliche Nachteile.

«Es liegt meines Erachtens in der Logik des Systems einer zunehmend dezentralen Erzeugungslandschaft, dass in Sachen Systemstabilität auch stärker dezentrale Ansätze zum Tragen kommen», führt der Mainova-Chef aus. Es spreche jedenfalls viel für das Subsidiaritätsprinzip, wonach es effizient ist, auftretende Probleme, in diesem Fall Ungleichgewichte von Erzeugung und Verbrauch, nach Möglichkeit dort auszutarieren, wo sie entstehen. Das sei in der neuen Energiewelt vielfach das Verteilnetz.

Notwendig sei deshalb, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den volkswirtschaftlich effizientesten Lösungen ermöglichten, sich durchzusetzen. Lösungen im Sinne intelligenter Verknüpfung von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch in einem regionalen Rahmen müssten eine faire Chance haben. «Wenn sie tatsächlich effizienter sind, sollten wir diese umsetzen».

(Quelle: stadt-und-werk.de)