Abregelung von PV-Anlagen nicht immer wirtschaftlich
Eine Abregelung von Photovoltaikanlagen bei negativen Marktpreisen führt nicht immer zu höheren Erlösen: Das ist das Fazit einer Simulation, die die Energiedienstleisterin Abonax durchgeführt hat. Aus den Ergebnissen liessen sich aber keine pauschalen Empfehlungen ableiten, betont die Energiedienstleisterin. Hintergrund der Untersuchung ist die Neugestaltung der PV-Einspeisevergütung ab 2027. Diese sieht vor, dass sich die Einspeisevergütung für Solarstrom grundsätzlich am Spotmarkt orientiert, sofern der jeweilige Netzbetreiber mit den PV-Anlagenbesitzern nichts anderes vereinbart hat.
Zudem entfällt die Minimalvergütung in ihrer heutigen Form. Stattdessen wird ein Zuschlag pro eingespeister kWh ausbezahlt, wenn der Referenzmarktpreis des vorangegangenen Quartals unter der gesetzlich festgelegten Minimalvergütung lag. Dieser Zuschlag entspricht dabei der Differenz zwischen dem Referenzmarktpreis und der Minimalvergütung.
Auswirkungen auf Vergütungserlöse untersucht
Die Neuregelungen sollen dazu führen, dass bei tiefen oder negativen Marktpreisen weniger PV-Strom eingespeist wird. Für die Produzenten besteht dabei unter anderem die Möglichkeit, ihre PV-Anlage so zu programmieren, dass bei negativen Marktpreisen keine Einspeisung erfolgt. Die Stromproduktion respektive -einspeisung wird dabei während entsprechender Zeitfenster automatisch reduziert oder unterbrochen. So sollen Erlöseinbussen oder Kosten infolge negativer Marktpreise vermieden werden.
Diese Handlungsoption hat Abonax nun genauer unter die Lupe genommen. Die Dienstleisterin führte auf Basis der Kennzahlen von 2025 eine Simulation durch. Dabei stellte sie die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage mit automatischer Abregelung bei negativen Marktpreisen jener einer Anlage mit uneingeschränkter Einspeisung gegenüber. Im Zentrum der Untersuchung standen vor allem die Auswirkungen auf die erzielbaren Vergütungserlöse.
Die Energiedienstleisterin hebt gegenüber energate hervor, dass die jetzigen Ergebnisse nicht eins zu eins auf die Situation im aktuellen Jahr 2026 oder spätere Jahre übertragbar seien. "Im Gegenteil kann sich die Ausgangslage je nach Marktpreisentwicklung deutlich verändern; insbesondere bei einer höheren Anzahl stark negativer Preise, wie wir sie speziell im zweiten Quartal 2026 gesehen haben, kann der in der Simulation beobachtete Effekt deutlich abgeschwächt werden", betonte eine Abonax-Sprecherin.
Abregelung lohnt sich nicht in jedem Fall
"Die Simulation zeigte, dass eine Abregelung bei negativen Marktpreisen nicht in jedem Fall zu höheren Erlösen führt", resümiert Abonax auf ihrer Internetseite. Vor allem bei kleineren Anlagen - mit und ohne Eigenverbrauch - resultierte demnach bei einer Abregelung zwar ein höherer durchschnittlicher Vergütungspreis am Spotmarkt. Gleichzeitig fiel jedoch der Differenzbetrag bei einer uneingeschränkten Einspeisung höher aus. Dieser zusätzliche Vergütungsanteil bei einer uneingeschränkten Einspeisung kompensierte laut Abonax nicht nur die tieferen Marktpreise vollständig, sondern führte insgesamt zu höheren Erlösen als in der Variante mit Abregelung.
Bei grösseren Anlagen mit Eigenverbrauch zeigte sich hingegen ein anderes Bild: Hier könne man durch die Vergütung über den Spotmarktpreis mit einer Abregelung einen höheren Erlös erzielen, "welcher der Differenzbetrag ohne Abregelung nicht vollumfänglich zu kompensieren vermag", so Abonax. Entsprechend könne die Variante mit Abregelung in diesen Fällen zu einem höheren Gesamtertrag führen.
Keine pauschale Empfehlung möglich
Abonax betont, die Ergebnisse ihrer Simulation verdeutlichten, dass die Wirtschaftlichkeit einer Abregelung stark von den spezifischen Parametern einer PV-Anlage sowie von der Ausgestaltung der Vergütungsmechanismen abhängt. "Eine pauschale Empfehlung zur Abregelung bei negativen Marktpreisen lässt sich daher nicht ableiten", so die Dienstleisterin. Vielmehr brauche es eine individuelle Betrachtung der jeweiligen Anlage und ihres Einspeiseprofils. Zudem müsse man die technischen Voraussetzungen respektive Möglichkeiten der jeweiligen Variante berücksichtigen.