Dynamische Tarife als integriertes Flexibilitätsmodell
Dynamische Tarife werden für viele EVU zunehmend relevant. Nicht nur als neues Tarifmodell, sondern als Möglichkeit, Verbrauch flexibler und netzdienlicher zu steuern.
Die Grundidee dahinter ist einfach: Der Strompreis verändert sich dynamisch, beispielsweise abhängig von der aktuellen Netzbelastung oder vom Energiepreis am Markt. Dadurch entstehen Anreize, Energie genau dann zu nutzen, wenn sie günstig verfügbar oder für das Netz sinnvoll nutzbar ist.
Für uns stellte sich dabei früh eine zentrale Frage: Wie lassen sich dynamische Tarife sinnvoll umsetzen, ohne dafür zusätzliche externe Plattformen oder parallele Systemwelten aufzubauen?
Denn die meisten EVU verfügen bereits heute über etablierte Systeme für Abrechnung, Energiedatenmanagement, Kundenprozesse und bestehende Schnittstellen. Genau dort sehen wir die Grundlage für dynamische Tarifmodelle.
Dynamische Tarife entfalten ihren Wert nicht als zusätzliche Plattform, sondern als integrierte Logik innerhalb bestehender EVU-Systeme.
Flavio Sieber, Experte Energie & Produktmanagement bei Abonax AG
Bestehende Systeme als Grundlage nutzen
Unser Ansatz basiert deshalb bewusst darauf, bestehende EVU-Systemlandschaften intelligent zu nutzen und gezielt zu erweitern.
Im Zentrum steht nicht eine zusätzliche externe Tarifplattform, sondern die Integration der Modelllogik direkt innerhalb bestehender Systeme und Prozesse des EVU.
Das bedeutet konkret:
- Nutzung bestehender Abrechnungs- und Energiedatenmanagementsysteme
- Integration in vorhandene Prozesse und Schnittstellen
- Parametrierung innerhalb der bestehenden Infrastruktur
- operative Steuerung direkt beim EVU
- keine zusätzlichen Daten-Silos
- keine Auslagerung der Tariflogik
Genau darin sehen wir den entscheidenden Vorteil. Denn dynamische Tarife greifen direkt in Netzlogik, Verbrauchsverhalten, Energiebeschaffung und künftig auch in die Steuerung dezentraler Flexibilitäten ein.
Die eigentliche Herausforderung liegt in der Modelllogik
Die technische Berechnung dynamischer Preise ist heute grundsätzlich gut abbildbar. Entscheidend wird jedoch die Frage, wie ein dynamischer Tarif modelliert und auf die jeweilige Realität eines EVU abgestimmt wird.
Der entscheidende Hebel liegt nicht in der Berechnung einzelner Preise, sondern in der Modelllogik dahinter.
Flavio Sieber, Experte Energie & Produktmanagement bei Abonax AG
Denn jedes EVU bewegt sich innerhalb eigener Rahmenbedingungen:
- unterschiedliche Netzsituationen
- unterschiedliche Lastprofile
- unterschiedliche Beschaffungsstrategien
- unterschiedliche Flexibilitätsanforderungen
Deshalb setzen wir auf ein parametrierbares Modell, das wir als fertige Lösung bereitstellen und das vom EVU mit unserer Unterstützung an die individuellen Rahmenbedingungen angepasst werden kann.
Wir analysieren dabei unter anderem:
- Netzlastsituationen
- Energie- und Lastflüsse
- Flexibilitätspotenziale
- gewünschte Steuerungsziele
Auf dieser Grundlage entsteht kein starres Produkt, sondern ein integriertes Flexibilitätsmodell innerhalb der bestehenden EVU-Infrastruktur.
Integration statt zusätzliche Komplexität
Gemeinsam mit Partnern wie innosolv und encontrol haben wir die technischen und operativen Grundlagen bereits geprüft und entsprechende Integrationsmöglichkeiten analysiert.
Die operative Umsetzung erfolgt direkt innerhalb bestehender Systeme. Das EVU kann Parameter des Modells selbst definieren und steuern, während wir die Modelle liefern und bei Analyse, Kalibrierung und Integration unterstützen.
Dadurch bleibt:
- die Datenhoheit beim EVU
- die operative Steuerung innerhalb bestehender Systeme
- und die Weiterentwicklung flexibel anpassbar
Weniger Systembrüche, keine zusätzlichen Datensilos und mehr operative Kontrolle beim EVU.
Flavio Sieber, Experte Energie & Produktmanagement bei Abonax AG
Vom Tarif zur automatisierten Flexibilität
Parallel dazu arbeiten wir an APIs und Schnittstellen für Energiemanagementsysteme (EMS), Kundenportale und Steuerungssysteme.
Denn der eigentliche Mehrwert dynamischer Tarife entsteht dann, wenn Preis- und Netzsignale automatisiert verarbeitet werden können. Wärmepumpen, Batteriespeicher oder Ladelösungen können dadurch gezielt auf Netz- und Energiesituationen reagieren.
So entsteht Schritt für Schritt ein integriertes Flexibilitätsmodell, das nicht neben dem EVU existiert, sondern innerhalb der bestehenden Infrastruktur funktioniert.
Die Entwicklung der Modelllogik ist bereits abgeschlossen. Aktuell laufen erste Pilotprojekte gemeinsam mit EVU.
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Experte Energie & Produktmanagement