Rückblick abonax Forum 2026

Zwischen Regulierung, Flexibilität und exponentiellem Wandel

Das abonax Forum 2026 im Technopark Zürich hat eines klar gezeigt: Die Energiebranche steht nicht mehr vor einzelnen Veränderungen, sondern mitten in einem grundlegenden Systemumbau.

Regulatorik, Marktmechanismen, neue Technologien und veränderte Kundenerwartungen entwickeln sich gleichzeitig weiter. Genau deshalb stand am Forum weniger die Frage «Was kommt?» im Fokus, sondern vielmehr: Wie setzen wir die Energiezukunft konkret um?

Regulierung wird strategisch relevant

Die Inputs von Denis Spät (ElCom) und Michael Rudolf (VSE) machten deutlich, wie stark regulatorische Entwicklungen inzwischen operative und strategische Entscheidungen von EVU beeinflussen.

Themen wie:

  • Stromabkommen und Marktintegration
  • neue Anforderungen an die Grundversorgung
  • Entflechtung von Verteilnetzbetreibern
  • Netzexpress und beschleunigter Netzausbau
  • lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG)
  • neue Marktmechanismen und Wechselmodelle

zeigen, dass sich Spielräume und Komplexität verändern.

Besonders spannend war die Erkenntnis, dass Marktintegration und Flexibilisierung zunehmend zusammenspielen. Die Schweiz bewegt sich schrittweise in Richtung eines dynamischeren, stärker gekoppelten Energiemarktes. Damit steigen auch die Anforderungen an EVU, schneller zu reagieren und neue Geschäftsmodelle aktiv mitzugestalten.

Netto-Null zwischen Wirtschaft und Geopolitik

Einen wichtigen strategischen Blick auf die übergeordneten Entwicklungen brachte Fabian Etter von swisscleantech ins Forum. Im Zentrum stand die Frage, wie sich die aktuellen geopolitischen Veränderungen auf die Umsetzung der Klimaziele und die Energiezukunft auswirken.

Besonders spannend war dabei die Einordnung der internationalen Dynamik. Während sich einzelne Länder zunehmend vom Klimaschutz distanzieren, investieren andere massiv in erneuerbare Technologien und neue Energieinfrastrukturen. Genau dadurch entstehen neue wirtschaftliche Kräfteverhältnisse und gleichzeitig enorme Innovationsschübe.

Die zentrale Botschaft war klar: Netto-Null ist längst nicht mehr nur ein Klimathema. Es entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen und strategischen Wettbewerbsfaktor.

Für EVU bedeutet das, dass Themen wie Dekarbonisierung, Elektrifizierung und erneuerbare Energien nicht isoliert betrachtet werden können. Sie stehen immer stärker im Zusammenhang mit Versorgungssicherheit, Standortattraktivität und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit.

Flexibilität wird zum wirtschaftlichen Faktor

Wie konkret das aussehen kann, zeigte Simon Bolli von Fleco Power eindrücklich. Was vor wenigen Jahren noch als Spezialthema galt, entwickelt sich heute zu einem realen Markt: die Vermarktung dezentraler Flexibilitäten.

Fleco Power betreibt seit über zehn Jahren ein virtuelles Kraftwerk auf Basis erneuerbarer Energien und bündelt heute bereits hunderte Anlagen zu marktfähigen Flexibilitätspools.

Die Botschaft dahinter war, dass PV-Anlagen, Batteriespeicher, Wärmeanwendungen und dezentrale Produktionsanlagen künftig nicht mehr nur Energie liefern, sondern aktiv zur Netzstabilität und Marktoptimierung beitragen. Oder anders gesagt: Flexibilität entwickelt sich vom technischen Nebenthema zu einem wirtschaftlich relevanten Asset.

Energiegemeinschaften werden Realität

Der Blick nach Österreich durch Claudio Carbone und Markus Lafer von neoom zeigte, wie schnell sich Energiegemeinschaften entwickeln können, wenn regulatorische und technologische Voraussetzungen zusammenspielen.

Besonders eindrücklich:

  • bereits tausende aktive Energiegemeinschaften
  • zehntausende aktive Zählpunkte
  • lokale Stromflüsse und intelligente Speicherintegration
  • digitale Plattformen für automatisierte Teilnahme und Abrechnung

Die zentrale Erkenntnis dabei: Energiegemeinschaften sind nicht einfach ein neues Produkt.
Sie verändern die Rolle von Energieversorgern grundlegend.

EVU werden künftig stärker zu Orchestratoren, Plattformbetreibern, Daten- und Flexibilitätsmanagern und lokalen Energienetzwerken.

Agilität schlägt Grösse

Ein besonderes Praxisbeispiel lieferte Karl Rüttimann von der Elektra Aettenschwil. Die Präsentation zeigte eindrücklich, dass Innovation nicht zwingend grosse Organisationen oder riesige Budgets braucht. Obwohl das EVU mit rund 180 Zählern sehr klein aufgestellt ist, wurden dynamische Tarife pragmatisch und mutig umgesetzt. Gerade kleine EVU können durch kurze Entscheidungswege, Kundennähe und Pragmatismus oft schneller handeln als grosse Strukturen.

Das wurde besonders sichtbar bei:

  • der Einführung dynamischer Tarife
  • dem Umgang mit stark wachsender PV-Integration
  • neuen Lastprofilen durch Elektrifizierung
  • der aktiven Steuerung lokaler Netzbelastungen

Die Aussage „Agilität schlägt Masse“ blieb dabei vielen in Erinnerung, weil sie den aktuellen Wandel der Branche treffend beschreibt.

Und dann war da noch der «Altersdöner»

Morell Westermann brachte mit seiner Keynote einen bewusst anderen Blickwinkel ins Forum. KI, Robotik, Elektromobilität und exponentielle Entwicklungen standen dabei ebenso im Fokus wie gesellschaftliche Veränderungen.

Besonders hängen geblieben ist der «Altersdöner». Eine humorvolle Metapher für den demografischen Wandel und gleichzeitig ein wichtiger Denkanstoss. Unsere Gesellschaft verändert sich. Und genau diese Gesellschaft prägt künftig unser Energiesystem.

Die Energiezukunft wird deshalb nicht nur technologischer, sondern auch dezentraler, datengetriebener, dynamischer und kundenzentrierter.

Was bleibt?

Neben den Inputs vor allem eines: Der offene Austausch zwischen EVU, Branchenpartner:innen und Innovator:innen. Denn viele Herausforderungen lassen sich nicht isoliert lösen. Die Zukunft entsteht dort, wo Erfahrungen, Perspektiven und Ideen zusammenkommen.

Ein grosses Danke an alle Speaker:innen, Teilnehmenden und Partner:innen für diesen inspirierenden Tag.

Präsentationen & Videos im Clubbereich verfügbar

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