Eine Energiegemeinschaft aus der Mitte der Gemeinde
In Güttingen entstand aus einer konkreten Herausforderung eine gemeinsame Idee: Produzent:innen erneuerbarer Energie möchten ihren Strom zu stabilen und attraktiven Konditionen verkaufen. Gleichzeitig besteht auf Seiten der Gemeinde das Interesse, lokal produzierte Überschussenergie möglichst sinnvoll vor Ort zu nutzen. Mit den neuen Möglichkeiten rund um Lokale Elektrizitätsgemeinschaften eröffnete sich dafür ein konkreter Ansatz.
Das Interesse in der Gemeinde war gross. Doch von der Idee bis zu einer funktionierenden Energiegemeinschaft waren zahlreiche Fragen zu klären: Welche Organisationsform eignet sich? Wie werden Teilnehmende eingebunden? Wie lassen sich Energiedaten erheben und bewirtschaften? Und welche digitalen Lösungen braucht es, damit die Energiegemeinschaft im Alltag einfach funktioniert?
Eine Lösung, die aus der Gemeinde heraus entstand
Unter dem Mandat der Gemeinde wurde eine Arbeitsgruppe mit interessierten Personen gebildet. Die Mitglieder brachten sich unentgeltlich ein und entwickelten gemeinsam die Grundlagen für die heutige Güttinger Energiegemeinschaft (GEG).
In insgesamt 14 Sitzungen wurden unterschiedliche Modelle diskutiert und geprüft. Dazu gehörte die Frage nach der geeigneten Unternehmensform ebenso wie die Datenerhebung, die spätere Bewirtschaftung und die Frage, wie die komplexen Zusammenhänge für die Teilnehmenden verständlich dargestellt werden können.
Eine zentrale Rolle übernahm dabei René Burkard, Experte Verteilnetz bei abonax und selbst in Güttingen zuhause. Diese Kombination war entscheidend: René kannte die Gemeinde, die Menschen und die lokalen Verhältnisse aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig brachte er fundiertes Fachwissen aus der Energiebranche mit. Mit diesem Heimvorteil und persönlichem Engagement übernahm er den Vorsitz der Arbeitsgruppe und begleitete die Entwicklung der GEG von Beginn an.
„Als Einwohner von Güttingen war mir das Projekt persönlich wichtig. Gleichzeitig konnte ich meine Erfahrung aus der Energiebranche einbringen und so die Arbeitsgruppe fachlich unterstützen.“
René Burkard, Vorsitzender der Arbeitsgruppe und Experte Verteilnetz bei abonax
Fachliche Begleitung auf dem Weg zur Umsetzung
Im Verlauf des Projekts brachte René seine Fachkenntnisse in die Arbeitsgruppe ein und begleitete die Beteiligten bei der Entwicklung der Energiegemeinschaft. Dabei konnte er seine Erfahrung aus der Branche mit dem lokalen Wissen und dem Engagement der Arbeitsgruppe verbinden.
Gemeinsam mussten Antworten auf organisatorische, fachliche und technische Fragen gefunden werden. Die Lösungen wurden neu entwickelt und mit der Güttinger Energiegemeinschaft erstmals in diesem Umfang umgesetzt.
Ein Schwerpunkt lag auf der Digitalisierung der Abläufe. Dazu entstanden, eine Anmeldeplattform und eine App, die gemeinsam mit TE Consulting auf der Grundlage von whatwatt entwickelt wurde. Die App macht das Unsichtbare sichtbar: Mitglieder sehen in Echtzeit, wie viel Überschuss gerade in der Gemeinschaft verfügbar ist, wie viel sie selbst produzieren und wie viel sie über die Zeit aus der GEG bezogen haben. Wer weiss, dass gerade viel Solarstrom im Dorf vorhanden ist, kann seinen Verbrauch bewusst darauf abstimmen.
„Energie wird oft erst dann greifbar, wenn man sie sichtbar macht. Genau das ermöglicht die App: Sie zeigt den Mitgliedern, was in der Energiegemeinschaft gerade passiert und schafft so Transparenz im Alltag.“
René Burkard, Vorsitzender der Arbeitsgruppe und Experte Verteilnetz bei abonax
So entstand Schritt für Schritt eine Lösung, bei der Strategie, digitale Werkzeuge und konkrete Umsetzung zusammenspielen, und bei der abonax die Beteiligten dort unterstützen konnte, wo Fachwissen und operative Umsetzungskraft gefragt waren.
Lokale Energie für eine lokale Gemeinschaft
Seit dem 1. Juli 2025 ist die GEG in Betrieb. Was mit 48 Mitgliedern startete, zählte Ende Juli bereits 82 Teilnehmende, darunter 44 PV-Besitzer:innen mit einer gemeinsamen Leistung von 1 MW Peak.
Produzent:innen erhalten eine zusätzliche Möglichkeit zur Vermarktung ihrer Energie, Verbraucher:innen können stärker an der lokalen Energieversorgung teilhaben. Gleichzeitig verbessert sich die Energiebilanz innerhalb der Gemeinde und eine ökologisch ausgerichtete Versorgung wird konkret unterstützt.
Die GEG zeigt, was entstehen kann, wenn eine Gemeinde, engagierte Bürger:innen und Fachpartner:innen gemeinsam an einer konkreten Lösung arbeiten. Aus einer ersten Idee ist eine Energiegemeinschaft entstanden, die neue organisatorische und digitale Ansätze in der Praxis zusammenführt.
Für uns bei abonax war die Güttinger Energiegemeinschaft auch deshalb ein besonderes Projekt, weil René dabei gleich mehrere Rollen einnahm: als Einwohner von Güttingen mit persönlichem Interesse an der Entwicklung seiner Gemeinde, als Vorsitzender der Arbeitsgruppe und als Branchenexperte bei abonax. So konnte er das Projekt aus unterschiedlichen Perspektiven begleiten und sein lokales Wissen mit seiner fachlichen Erfahrung verbinden.
„Für mich bringt die GEG einen einfachen Gedanken auf den Punkt: Strom vom Dorf – wie Lebensmittel vom Hofladen. Die Energie bleibt dort, wo sie produziert wird, und kommt den Menschen vor Ort zugute.“
René Burkard, Vorsitzender der Arbeitsgruppe und Experte Verteilnetz bei abonax
Wie könnte eine Energiegemeinschaft in deiner Gemeinde aussehen?
Du möchtest wissen, welche Möglichkeiten sich für dein EVU oder deine Gemeinde ergeben und was es für die Umsetzung braucht? René teilt gerne seine Erfahrungen aus Güttingen mit dir.