Lokale Stromrevolution
05. Januar 2018

Lokale Stromrevolution

von: Martin Sinzig

Wer seinen eigenen Solarstrom in der Hausbatterie speichert oder dem Nachbarn direkt verkauft, wenn sogenannte Microgrids betrieben werden, die Angebot und Nachfrage besser aufeinander abstimmen, wenn mit Demandside-Management-Systemen (Change38) der Speicherbedarf minimiert wird, dann werden althergebrachte Geschäftsmodelle in der Endverteilung von Strom in Frage gestellt.

Die Auswirkungen der dezentralen Stromerzeugung sind in Deutschland bereits spürbar. Das gilt besonders für lokale Elektrizitätswerke. Ihre eigentliche Geschäftsbasis, die Versorgung mit Strom, schwindet, zum Beispiel wenn 20'000 Haushalte mit Solarpanels und Speicherbatterien überschüssige Energie untereinander kaufen und verkaufen.

Noch markanter wird der Wandel, wenn Tarife des gehandelten Stroms unter jenen des lokalen Energieversorgers liegen. Solche Verhältnisse herrschen in einem Netzwerk, das vom deutschen Speicherhersteller Sonnen betrieben wird, wie die britische Wirtschaftszeitung Financial Times berichtet. Hinzukommt, dass die Kosten für ein Heimbatteriesystem noch bei rund 6'000 Franken liegen. Beim Start des Mini-Grid-Projekts im Jahr 2010 waren es noch rund 30'000 Franken gewesen.

Insgesamt sehen sich die lokalen Endversorgungsunternehmen einer völlig neuen Situation gegenüber, nicht nur weil dezentral mehr Energie erzeugt wird, sondern auch weil sich die Energieflüsse verändern. Die lokalen Werke könnten im schlimmsten Fall, besonders in sonnigen und windreichen Gebieten, ihre beste Kunden  verlieren. Dessen ist sich die Branche mittlerweile bewusst. In der Schweiz ist die Situation insbesondere weniger kritisch, weil hier die Haushaltskunden noch nicht frei in der Wahl ihres Energielieferanten sind.

(Quelle: greencarreports.com)