Ist im Strom drin, was draufsteht?
21. Februar 2018

Ist im Strom drin, was draufsteht?

von: Martin Sinzig

Ist im Strom auch wirklich drin, was draufsteht? In Deutschland nicht unbedingt. Gemäss dem Energie- und IT-Unternehmen LichtBlick würden Verbraucher sogar in die Irre geführt. Die Stromprodukte der meisten Energieanbieter enthielten deutlich mehr Kohlestrom, als in der gesetzlichen Stromkennzeichnung angegeben werden müsse. Die für die Kunden beschaffte Energie fast aller Versorger verursache bis zu 83 Prozent mehr CO2 als gegenüber den Kunden kommuniziert werde, beruft sich LichtBlick auf eine eigene Untersuchung unter 50 großen deutschen Versorgern.

Möglich mache dies eine gesetzliche Regelung, die den Strom klimafreundlicher erscheinen lasse, betont LichtBlick. Denn jeder Energieanbieter dürfe bis zu 45 Prozent nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) geförderten Ökostrom in der Kennzeichnung ausweisen – obwohl die Anbieter diesen EEG-Strom nicht für ihre Kunden einkaufen. Die virtuelle Anrechnung des klimafreundlichen EEG-Stroms verbessert auch die CO2-Bilanz der Stromtarife – allerdings nur auf dem Papier.

Und wie handhabt die Schweiz dieses Thema? Hierzulande müssen die Versorger seit dem 1. Januar 2018 die Stromherkunft ausweisen. Endversorgungsunternehmen haben damit die Möglichkeit, ihren Kunden die spezifischen Stromqualitäten anzubieten. Dieses System, gestützt auf Zertifikate, stellt sicher, dass der bestellte Strom, zum Beispiel Solarstrom, auch tatsächlich in einer Solaranlage hergestellt wird und nicht anderweitig verkauft werden kann. Noch nicht gelöst ist damit allerdings die Herausforderung, dass zum Beispiel nachts kein Solarstrom geliefert wird, sondern dass physikalisch andere Qualitäten durch die Steckdose fliessen.

Um Energiebedarf- und nachfrage besser aufeinander abzustimmen, braucht es noch viele Investitionen in moderne, intelligente Netze und in Speichertechnologien. Einen Weg zur besseren Gleichzeitigkeit bieten insbesondere Microgrids oder sogenannte peer-to-peer-Netzwerke. Sie erlauben es, dass ein dezentraler Solarstromanlagenbetreiber seinen Strom direkt dem Nachbarn liefern kann. Die Technologien, um solche Systeme zu betreiben, sind bereits im Einsatz (siehe www.change38.ch), und sie erhöhen die Transparenz im Stromhandel.

(Quelle: licktblick.de)