Kleinkunden zahlen die Zeche
13. November 2018

Kleinkunden zahlen die Zeche

von: Martin Sinzig

Kommt der zweite Schritt der Marktöffnung für Kleinverbraucher zu spät? Die Anzeichen mehren sich, dass sie die Zeche der Strompolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte bezahlen müssen. Während Grosskunden seit zehn Jahren davon profitierten, dass ihr Strom von Jahr zu Jahr günstiger wurde, mussten die Kleinkunden weiter einen tariflich festgelegten Preis bezahlen, der die Produktionskosten decken musste und den Kraftwerken erst noch einen Gewinn garantierte. Verglichen mit den Marktpreisen bezahlten sie ab 2012 drauf, wie die Handelszeitung berichtet.

Alleine fürs laufende Jahr 2018 komme es zu Mehrkosten von 900 Millionen Franken – oder mehr als 100 Franken pro Einwohner, so die Handels-Zeitung. Insgesamt bezahlten die gefangenen Kleinkunden seit der halben Marktöffnung 4,3 Milliarden Franken mehr, als wenn sie zu Marktkonditionen hätten Strom beziehen können. Das sind ca. 1'100 Franken pro Haushalt.

Damit aber nicht genug. Auch bei den Netzkosten werden die Kleinverbraucher über Gebühr belastet. Wie der Tages-Anzeiger die Strommarktaufsichtsbehörde zitiert. Sie sagt an die Adresse gewisser Netzbetreiber: «Manche Eigentümer verfolgen eine Profitmaximierung und sehen das Netz als eine Art Milchkuh». 

Die Gebühren sollten nach Gesetz nur die Kosten decken. Doch offenbar gibt es etlichen Spielraum in der Berechnung, den einige Betreiber ausreizen.  Führende Energiepolitiker zeigten sich überrascht. «Da werden im Monopol gefangene Konsumenten gemolken. Das ist nicht akzeptierbar», wird zum Beispiel Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (CVP, SO), zitiert.

Fazit: Obwohl die staatlichen EWs als Stromversorger und Netzbetreiber der Bevölkerung verpfichtet sind, nehmen sie ihren Auftrag nicht vollständig wahr. Vielmehr bestehen Anreize, gegenüber Konsumenten und Besitzer der staatlichen Werke nicht transparente Preisstrukturen zu pflegen und sie im schlimmsten Fall sogar höher zu belasten, als es eigentlich legitim wäre.

(Quellen: Handelszeitung, 7.11.18, Tages-Anzeiger, 10.11.18)