Technische Gemeindebetriebe Bischofszell
Zukunftsfähige Tarifstrategien für die TGB
Projektinfo
Gemeinsam mit abonax haben die Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell ihre Netz- und Energietarifstrategie weiterentwickelt. Lastanalysen, Simulationen und der Vergleich verschiedener Tarifmodelle bildeten die Grundlage für eine verständliche, netzdienliche und langfristig tragfähige Tarifstruktur mit Zielhorizont 2027.
Zusammenfassung
Veränderte Lastprofile, neue regulatorische Anforderungen und der zunehmende Ausbau erneuerbarer Energien stellten die TGB vor die Aufgabe, ihre bestehenden Tarife zu überprüfen. Ziel war es, die Tarif- und Produktstruktur zu vereinfachen und die Auswirkungen möglicher Anpassungen auf Kundengruppen, Netzbelastung und Erlöse fundiert zu beurteilen.
Unternehmen
Technische Gemeindebetriebe Bischofszell (TGB)
Energieversorgungsunternehmen
Bischofszell, Thurgau
Wie die Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell ihre Tarifstrategie auf die Energieversorgung von morgen ausrichten
Die Energieversorgung verändert sich. Photovoltaikanlagen speisen immer häufiger Strom ins Netz ein, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge verändern Lastprofile und gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an Energieversorgungsunternehmen. Damit steigen auch die Anforderungen an die Weiterentwicklung bestehender Tarifmodelle.
Vor genau dieser Herausforderung standen die Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell (TGB). Das Unternehmen wollte seine Tarifstrukturen fit für die Zukunft machen. Im Mittelpunkt standen die Vereinfachung und Weiterentwicklung der Netz- und Energietarife.
Die zentrale Fragestellung: Wie können Tarife entwickelt werden, die den zukünftigen Anforderungen des Stromnetzes gerecht werden und gleichzeitig für Kunden verständlich bleiben?
Daten statt Bauchgefühl
Tarife beeinflussen nicht nur die Einnahmen eines Energieversorgers. Sie wirken sich direkt auf das Verhalten der Kund:innen, auf die Netzbelastung und auf zukünftige Investitionen aus. Entsprechend weitreichend sind die Entscheidungen.
Deshalb stand am Anfang des Projekts die Analyse der Ausgangslage. Lastgänge wurden ausgewertet, Kundengruppen analysiert, regulatorische Entwicklungen eingeordnet und unterschiedliche Szenarien simuliert. Ziel war es, die Auswirkungen verschiedener Tarifmodelle nachvollziehbar zu machen, bevor Entscheidungen getroffen werden.
Wie wertvoll diese Analyse sein kann, zeigte sich bei den TGB besonders deutlich. Die aktuelle Heatmap der Netzbelastung machte signifikante Veränderungen gegenüber früheren Auswertungen sichtbar. Zudem zeigte sich der Unterschied zwischen Winter und Sommer geringer als zuvor angenommen.
«Die Datenanalysen waren für mich ein spezielles Highlight. Die Heatmap von heute unterscheidet sich überraschend stark von jener vor ein paar Jahren. Und auch der Unterschied zwischen Winter und Sommer ist viel kleiner als angenommen.»
Peter Bulgheroni
Geschäftsführer TGB
Auf dieser Basis entstand eine fundierte Entscheidungsgrundlage, die technische, wirtschaftliche und regulatorische Aspekte gleichermassen berücksichtigte.
Eine Tarifstruktur, die zur Ausgangslage passt
Bei den TGB lag der Schwerpunkt auf einer verständlichen und langfristig stabilen Tarifstruktur.
Um Veränderungen bei Bezugsmengen und Leistungsprofilen angemessen zu berücksichtigen, wurde die Ergänzung der Tarifstruktur um eine Leistungskomponente auch für Haushaltskunden geprüft. Dabei wurde analysiert, wie bei Kunden mit PV-Anlagen oder Speichern neben der bezogenen Energie auch Leistungswerte in der Tarifstruktur berücksichtigt werden können.
Lastsimulationen halfen dabei, verschiedene Tarifvarianten hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Kundengruppen, Netzlasten und Erlöse zu vergleichen. Gleichzeitig wurden die Energieprodukte und Kundensegmente vereinfacht, um die Tarifstruktur übersichtlicher zu gestalten.
Das Projekt zeigte dabei deutlich: Eine zukunftsfähige Tarifstruktur muss immer zur individuellen Ausgangslage eines Energieversorgungsunternehmens passen. Organisationsstruktur, Systeme, Datenverfügbarkeit und strategische Ziele beeinflussen, welche Lösung sinnvoll und umsetzbar ist.
Gemeinsam fundierte Entscheidungen treffen
Tarifprojekte betreffen weit mehr als den Netzbereich. Kundendienst, Markt, Vertrieb und Technik bringen unterschiedliche Anforderungen und Perspektiven ein.
Deshalb war der kontinuierliche Austausch zwischen den Fachbereichen ein zentraler Bestandteil des Projekts. Simulationen machten sichtbar, welche Auswirkungen einzelne Tarifmodelle auf Netzbelastung, Kundengruppen und Erlöse haben können. Dadurch entstanden nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen, die innerhalb der Organisation gemeinsam diskutiert und bewertet werden konnten.
«Wir haben die offene und konstruktive Zusammenarbeit sehr geschätzt. Rückmeldungen wurden zeitnah aufgenommen und das iterative Vorgehen half uns, Schritt für Schritt die beste Lösung zu finden.»
Peter Bulgheroni
Geschäftsführer TGB
Ein klarer Fahrplan für die Zukunft
Auf Basis der Analysen wurde ein Tarifmodell mit mehreren Zeitfenstern entwickelt, das sich stärker an den beobachteten Belastungsmustern orientiert. Ergänzend wurden Leistungskomponenten, Kundengruppen und Produktstrukturen weiterentwickelt sowie Anforderungen an mögliche Systemanpassungen konkretisiert.
Bei den TGB ist der nächste Schritt bereits konkret: Die neue Tarifstruktur wurde kommuniziert und ist für 2027 vorgesehen. Gleichzeitig verfügt das EVU heute über eine aktualisierte, datenbasierte Sicht auf die eigene Netzbelastung und damit über eine fundierte Grundlage für zukünftige Entscheidungen.
Damit verfügen die TGB über eine belastbare Grundlage, um die nächsten Umsetzungsschritte vorzubereiten und die zukünftige Tarifentwicklung nachvollziehbar gegenüber internen Gremien und später auch gegenüber ihren Kunden zu kommunizieren.
Erkenntnisse aus dem Projekt
Das Projekt bei den TGB zeigt, dass moderne Tarifentwicklung weit mehr ist als die Anpassung einzelner Preisbestandteile. Wer Tarife zukunftsfähig gestalten möchte, muss regulatorische Vorgaben, technische Entwicklungen, Lastdaten und Kundenbedürfnisse gemeinsam betrachten.
Ebenso deutlich wurde: Die eingesetzte Methodik schafft eine belastbare Grundlage für die Entwicklung einer individuellen Lösung. Entscheidend ist, dass die konkrete Tarifstruktur auf die Ausgangslage und Strategie des jeweiligen Energieversorgungsunternehmens abgestimmt wird.
«Je nach Grösse des VNB lohnt es sich, externe Beratung in Anspruch zu nehmen. Die Aussensicht und Erfahrung von abonax waren für uns sehr wertvoll.»
Peter Bulgheroni
Geschäftsführer TGB
Genau diese Kombination aus datenbasierter Analyse, Simulation und enger Zusammenarbeit bildete die Grundlage des Projekts und schafft heute eine Grundlage für die weitere Ausgestaltung einer zukunftsfähigen Tarifstruktur.
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